König Thranduils Reittier: Riesenhirsch oder Elch?

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In jenem Zeitalter Mittelerdes, in dem Bilbos Reise zum Erebor stattfand, lebten im Düsterwald pechschwarze und perlweiße Hirsche. Sie waren scheu und streiften fast lautlos durch den Wald. Hatte sich Thranduil, der König der Waldelben, eines dieser Tiere zum Reittier gewählt? Zweifelhaft: Als „Streitross“ wären sie wohl nicht zu gebrauchen gewesen…

Die Schlacht der Fünf Heere

Im nächsten Monat startet „Der Hobbit – Die Schlacht der Fünf Heere“ in den deutschen Kinos. Damit schließt dann die Trilogie, die auf J. R. R. Tolkins Kinderbuch „Der Kleine Hobbit“ basiert, ab. Die Filmadaption endet bildgewaltig in einem so grausamen wie fulminanten cineastischen Schlachtengetümmel zwischen Menschen, Elben und Zwergen auf der einen und Orks und Wargen auf der anderen Seite. Ja, genau: als Basis für seine Hobbit-Interpretation, für Kriegsgeschrei und Schlachtenlärm, diente Regisseur Peter Jackson ein Kinderbuch. Mittelerde-Erfinder Tolkin hatte jedoch, wohl um zarte Kinderseelen zu schonen, auf einen literarischen Trick gesetzt. Unser kleiner Kinderbuch-Held Bilbo Beutlin wird mitten in der Schlacht bewusstlos, verpasst alle blutigen Details und erfährt erst später von Gandalf nur eine kurze Zusammenfassung der grausamen Ereignisse. Anders als Blöd-Bilbo will der echte Tolkin/Jackson-Fan aber ausnahmslos alle Details wissen – und miterleben. Gut also, dass Jackson den Zweiteiler zu einer Trilogie aufgebläht hat und schön detailverliebt zur Sache ging… Weiterlesen

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Historische Elche (Teil 4): Rätsel um den Bernsteinelch von Weitsche

Sein Fund ist eine Sensation: Der urgeschichtliche Bernsteinelch von Weitsche – benannt nach seinem Fundort, einem Acker in der Nähe des kleinen niedersächsischen Dorfes Weitsche.Der Bernsteinelch von Weitsche

Der erste Elch in der Kunst

Das spektakuläre Bernsteinobjekt wird im Landesmuseum in Hannover ausgestellt und zählt zu den größten kunstgeschichtlichen Schätzen des Landes Niedersachsens. Kein Wunder: Gilt der Elch doch – mit seinem enormen Alter von ca. 14.000 Jahren, was in diesem Jahr dank Radiokarbondatierung bestätigt wurde – als das älteste Kunstwerk Niedersachsen und als die früheste Darstellung eines Elches überhaupt.

14.000 Jahre altes Puzzle

Seit den 90er Jahren war der Acker bei Weitsche im Kreis Lüchow-Dannenberg für die Archäologen von besonderem Interesse. Hier befanden sich in der ausgehenden Eiszeit wohl mehrere Lagerplätze von Waldjägern. Viele Fundstücke aus bearbeitetem Bernstein brachten die Grabungen ans Licht – auch die zerbrochenen Teile einer einzigartigen, kunstvollen Tierdarstellung aus Bernstein. Bedauerlicher Weise fehlte ihr jedoch der Kopf. Die Experten rätselten daher lange, ob es sich um ein Pferd handeln würde. Im Jahr 2004 schließlich entdeckten Archäologen nach langjähriger Suche und mühseliger Puzzlearbeit den fehlenden Bernsteinkopf: Er ermöglichte eine endgültige Deutung der naturalistischen Tierfigur. Und: Es ist eindeutig ein Elch. Denn der Kopf zeigt charakteristische Merkmale wie ein großes Maul und einen Hautsack am Hals. In diesem Jahr schließlich wurde auch das Rätsel um das hohe Alter der Bernsteinfigur abschließend geklärt: Der Elch ist wirklich vor unglaublichen rund 14.000 Jahren von einem Künstler des Jungpaläolithikums geschaffen worden.

Der Bernsteinelch von Weitsche mit unserer Steckgeweih-IdeeElchkuh oder Elchbulle?

Schlussendlich identifizierten die Wissenschaftler die handtellergroße Tierskulptur als weiblichen Elch. Aber warum? Wahrscheinlich, weil sich unter den bisher gefundenen Bruchstücken kein Elchgeweih befand. Ein weiteres Rätsel umgibt die Bohrlöcher an beiden Seiten des Kopfes – und zwar jeweils im Ohrbereich. Wäre es nicht möglich, dass die angebrachten Bohrungen einer ganz bestimmten Funktion dienten? Vielleicht waren ursprünglich hier die möglicherweise fehlenden Geweihschaufeln angebracht. Die Position der Bohrlöcher ließe diese Vermutung zu, da hier die Schaufeln anatomisch an der korrekten Stelle wären. Dann wäre das kleine Kunstwerk keine Elchkuh gewesen, sondern ein Elchbulle. Wir haben unsere Idee oben im Bild einmal skizziert.

Weitere Rätsel

Der Kopf des Bernsteinelchs von WeitscheDie Forscher, für die die Frage ob Elchkuh oder Elchbulle geklärt zu sein scheint, beschäftigen sich indes mit anderen Rätseln – beispielsweise mit der Frage nach der Funktion des wertvollen Objekts: Welchen Sinn hatte die kunstgeschichtlich unschätzbare Skulptur? Sie besteht aus Bernstein, das auch in prähistorischen Epochen der Menschheitsgeschichte als sehr selten und kostbar galt. Und der Mensch schrieb dem Bernstein ähnlich wie Gold jahrtausendelang stets auch magische Fähigkeiten wie legendäre Heilkräfte und Schutzzauber zu. Möglich wäre es, meinen die Historiker, dass der Elch als Aufsatz einen „Schamanenstab“ schmückte und somit religiöse und rituelle Bedeutung für die frühen Waldjäger hatte. Wurde mit dem „Zauberelch“ das Jagdglück für die Elchjäger beschworen? Manche Rätsel um den Elch von Weitsche werden wohl nie geklärt werden können…

Unser Elch-Blog: Historischen Elchen auf der Spur

Es ist schon bemerkenswert: In unserem Elch-Kinderbuch-Blog wollten wir ursprünglich lediglich einen „zukünftigen“ Elch vorstellen – unseren Dolph, unseren Kinderbuchhelden. Oft sind wir jedoch bei den Recherchen über so interessante Anekdoten, Berichte oder Geschichten zum Thema „Elch“ gestolpert, dass wir sie hier gerne vor unseren Lesern, Freunden und Fans ausgebreitet haben. (Wie zuletzt mit dem Artikel über die „Finnische Luftwaffe„.)

Immer wieder berichteten wir dabei auch über Elche in der Vergangenheit:

Der zeitgeschichtliche Elch:
Sonderpostkarte der Ostmesse, Königsberg 1939, und Lexikoneintrag von 1933

Der Elch in der Frühen Neuzeit:
Schwedische Kriegselche im 17. Jahrhundert

Der antike Elch:
Der Elch bei Caesar
und Elche im antiken Ägypten

Der ur- und frühgeschichtliche Elch:
Elchdarstellungen
in Norwegen, Elchgeweih aus Dorsten und Elch-Geoglyphe im Südural

Zugegeben: Das sind schon einige Artikel über historische Elche. Allerdings fällt dabei auf, dass wir bislang ganze Geschichtsepochen völlig unberücksichtigt gelassen haben. Gab es beispielsweise keine Elche im Mittelalter? Dieser Frage werden wir in den kommenden Wochen verstärkt nachgehen – aber auch die übrigen Epochen weiter Elch-historisch beleuchten…

Große Elch-Geoglyphe dank Google Earth entdeckt

Es gibt weltweit so viele beeindruckende Geoglyphen, die stellen Tiere dar wie Pferd (zum Beispiel das berühmte Uffington White Horse), Wal, Affe, Hund, Ameisenbär, Condor, Kolibri, Papagei, Flamingo, Fregattvogel, Pelikan, Schlange, Spinne, Eidechse oder Libelle (zum Beispiel auf der überwältigenden Nazca-Ebene). Aber keine zeigt einen Elch. Doch warum sollten unsere vorgeschichtlichen Vorfahren riesige Scharrbilder von Eidechsen geschaffen haben – jedoch keine von Elchen? Wurde so eine Elch-Erdzeichnung bislang nur noch nicht entdeckt?

Jetzt wurde diese Frage von russischen Archäologen endlich beantwortet: Sie haben kürzlich im bewaldeten Flachland in der Nähe des Sjuratkul-Sees im Sjuratkul-Nationalpark im Südural (Region Oblast Tscheljabinsk) die Reste einer bislang unbekannten großen Geoglyphe entdeckt. (Hier der Artikel) Dieses prähistorische Erdzeichen stellt wahrscheinlich ein vierbeiniges Huftier mit Hörnern und einer ausgeprägten Schnauze dar. Also Hirsch oder Elch. Wir sind für Elch, da der die deutlich ausgeprägtere Schnauze hat… 😉

Die Archäologen haben auf die Hilfe von Google Earth zurückgegriffen. Denn die gigantischen Kunstwerke sind durch ihre Ausmaße oft erst aus der Luft zu erkennen. Mit fortschrittlichsten Internet-Tools in die Vorgeschichte: Wahrscheinlich kann die Elch-Geoglyphe in die Kupfer- oder frühe Eisenzeit datiert werden.

(Foto oben: Copyright/Quelle: Google Earth, Stanislav A. Grigoriev u. Nikolai M. Menshenin / antiquity.ac.uk)

Es gibt keine Elche im Vest Recklinghausen – aber es gab welche!

Das freut den Elchfreund: Es gibt zwar aktuell* keine Elche im Vest Recklinghausen – aber es gab sie! (Siehe auch: „Es gibt keine Elche im Vest Recklinghausen – aber in unmittelbarer Nachbarschaft!„) Vor mehr als 5300 Jahren, in der Jungsteinzeit (genauer: im Spätneolithikum), gab es nachweislich ein Elchvorkommen im Kreis Recklinghausen. Die Elche werden damals in den Bruchwäldern und Sümpfen links und rechts der Flüsse Emscher und Lippe sicherlich ein gutes Leben geführt haben.  Die Information haben wir in einer alten wissenschaftlichen Zeitschrift entdeckt, an die wir über die Fernleihe der Stadtbücherei heran gekommen sind:

Quelle: Ueckermann, E., Spiecker, D., Lülfing, D.: „Prähistorischer Fund eines Elchgeweihes in Nordrhein-Westfalen“. In: Zeitschrift für Jagdwissenschaft, Nr. 3, 1970

*Bitte informiert uns kurz, falls es im Kreis doch ein Elchgehege geben sollte. Das wäre wirklich nett!

Und nochmals: Warum ein Elch-Kinderbuch?

Diese Frage hören wir immer wieder. Zum großen Teil ist sie hier ja auch schon von uns beantwortet worden: Wir mögen Elche. Und wir haben da eine gewisse Beziehung zu diesen Trughirschen – z.B. über die ALCES AG.

Aber da gibt’s auch noch weitere Aspekte, die nicht verschwiegen werden sollten. Zum einen ist der Elch in breiten Kreisen unserer Zielgruppe beliebt. Auch dieses Thema haben wir hier schon behandelt: Der Elch – egal in welcher Form – ist ein Verkaufshit. Zum anderen ist der Elch ein Tier von geradezu sympathischer Hässlichkeit. Mit ausgesprochen hohem Wiedererkennungswert aufgrund seiner optischen Charakteristika: Großer Kopf, lange, staksige Beine, Buckel, Zottelbärtchen und Riesenschaufelgeweih. Das Tier ist eine Karikatur! Also ideal, um jeden Zeichner zu inspirieren! Das wussten bereits die Menschen der Jungsteinzeit, die in Norwegen Elchdarstellungen für die Ewigkeit (als Vorlage für Elch-Kinderbücher?) in den Stein ritzten…