König Thranduils Reittier: Riesenhirsch oder Elch?

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In jenem Zeitalter Mittelerdes, in dem Bilbos Reise zum Erebor stattfand, lebten im Düsterwald pechschwarze und perlweiße Hirsche. Sie waren scheu und streiften fast lautlos durch den Wald. Hatte sich Thranduil, der König der Waldelben, eines dieser Tiere zum Reittier gewählt? Zweifelhaft: Als „Streitross“ wären sie wohl nicht zu gebrauchen gewesen…

Die Schlacht der Fünf Heere

Im nächsten Monat startet „Der Hobbit – Die Schlacht der Fünf Heere“ in den deutschen Kinos. Damit schließt dann die Trilogie, die auf J. R. R. Tolkins Kinderbuch „Der Kleine Hobbit“ basiert, ab. Die Filmadaption endet bildgewaltig in einem so grausamen wie fulminanten cineastischen Schlachtengetümmel zwischen Menschen, Elben und Zwergen auf der einen und Orks und Wargen auf der anderen Seite. Ja, genau: als Basis für seine Hobbit-Interpretation, für Kriegsgeschrei und Schlachtenlärm, diente Regisseur Peter Jackson ein Kinderbuch. Mittelerde-Erfinder Tolkin hatte jedoch, wohl um zarte Kinderseelen zu schonen, auf einen literarischen Trick gesetzt. Unser kleiner Kinderbuch-Held Bilbo Beutlin wird mitten in der Schlacht bewusstlos, verpasst alle blutigen Details und erfährt erst später von Gandalf nur eine kurze Zusammenfassung der grausamen Ereignisse. Anders als Blöd-Bilbo will der echte Tolkin/Jackson-Fan aber ausnahmslos alle Details wissen – und miterleben. Gut also, dass Jackson den Zweiteiler zu einer Trilogie aufgebläht hat und schön detailverliebt zur Sache ging… Weiterlesen

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Moose Calls – oder: wie ich den Elch rief

Allen Leserinnen und Lesern unseres Elch-Kinderbuch-Blogs sei gleich vorweg gesagt: in diesem Artikel geht es nicht um die umgangssprachliche Redewendung „den Elch rufen“ als Synonym für (lat.) Vomitation.

Nein, liebe Elch-Freundinnen und Elch-Freunde, dieser Artikel handelt überwiegend von der Elchjagd. Zudem von einer ganz abscheulich hinterhältigen Jagdmethode auf den „König des Waldes“. Nebenbei wird belegt, dass die Begriffe Wissenschaft und Moral einfach nicht zusammen passen (…ist jetzt aber kein erkenntnistheoretischer Diskurs). Abschließend folgt ein guter, erfolgreich getesteter Praxistipp für Nervensägen.

Elchjagd früher: alles war besser

Nun, also: In der guten alten Zeit lebte der Elchjäger im Einklang mit der Natur und allen Lebewesen. Da ging der Mann auf die Jagd, um die Familie zu ernähren. Er jagte mit Geduld, Geschick und Muskelkraft. Mutig brachte er den stolzen Wiederkäuer mit dem Speer, dem Pfeil und dem Bogen zur Strecke – oder er legte fiese Fallen aus. Die besonders talentierten und erfahrenen Jäger imitierten den Ruf des Elches, um ihre Beute aus den Büschen zu locken. Aber es war alles andere als ein Spaß. Denn oft musste die Familie an kalten Wintertagen hungern und wehklagen, weil dem Mann das Jagdglück nicht beschieden war. Oder er fiel gar selbst einem stärkeren Jäger wie Bär, Wolf oder adeligem Grundbesitzer zum Opfer. Also eine ganz bodenständige und ehrliche Aktion, diese Jagd.

Elchjagd heute: ohne Moral?

Heute aber hat der Jagdgeselle viel Spaß bei der Elchjagd. Die Chance, einen kapitalen Elchbullen vor die Flinte zu bekommen, ist enorm hoch. Im Extremfall höchstens eine Frage des Geldes. Die Gefahr, selbst zum Opfer zu werden, ist fast nicht vorhanden – gäbe es nicht hin und wieder diese unglücklichen Fehlschüsse der waidmännischen Kollegen. Auch die Bewaffnung ist erstaunlich verbessert: Mit halbautomatischem Gewehr und drei Kugeln, Kaliber .30-06 Doppelkern-Geschoss 10,7g, im Magazin und einer im Gewehr endet der begehrte Paarhufer schnell als Trophäe. Ebenfalls bemerkenswert: Die Lockjagd mit Hilfe des Elchrufs hat einen neuen Level technischer Raffinesse erreicht.

Und hier nun ist der Bogen geschlagen zur eingangs aufgestellten These, dass sich Wissenschaft und Moral schlicht ausschließen. Denn was möglich ist – dies wissen wir spätestens seit Oppenheimer und den Jungs in Los Alamos –, wird auch gemacht. Heute sind längst kein stundenlanges Training, keine unzähligen vergeblichen Versuche und kein frustrierendes Anpirschen, Lauschen und Nachahmen mehr nötig: Mit dem iPhone sowie entsprechendem Lautsprechersystem geht’s ganz leicht, den Elch zu rufen. Einfach im App Store die App „Moose Hunting Calls“ kaufen, Programm starten, Moose Call auswählen und auf den gerufenen Elch warten. Der Rest ist die Stille nach dem Schuss…

Macht es sich der Waidmann, der wackere Grünrock, damit nicht wirklich etwas zu einfach? Muss es denn so technisch sein, so trügerisch und mit elektronischen Hilfsmitteln den leichtgläubigen Trughirsch in den Hinterhalt zu locken? – Wichtige Fragen an alle moralisch denkenden Hubertusjünger. Doch jetzt Schluss mit dieser Elentier-Elegie!

Moose Hunting Calls

Erwähnenswert sind zwei positive Aspekte bei der „Moose Calls“-App: Erstens zeigt sie auch dem unerfahrenen Elch-Fan, dass die Laute, die diese Hirschart hervorbringt, nicht viel mit dem charakteristischen Hirschschrei zu tun hat, der während der Brunftzeit unsere teutonischen Hirschreviere durchdringt. Daher ist die Analogie zur Vomitation auch irgendwie falsch.

Zweitens eignet sich diese App hervorragend, um bei jeder Gelegenheit extrem zu nerven und zu reizen. Dem Elchruf-Provokateur stehen dazu eine ganze Reihe unterschiedlicher Elchlaute zur Verfügung vom „Bull Grunt“ I und II über den „Tending Grunt“ sowie das „Short Cow Moan“ bis hin zum „Contact Sound“. Als schöne Dreingabe gibt’s u. a. noch „Urinating“. Made by Hunters for Hunters! Und für Nervensägen! Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass ein Wechsel der Elchlaute aber insbesondere das „Cow Moan“ bei jeder Gesellschaft schnell eine unterschwellig bis offen aggressive Stimmung erzeugt.

Fazit:

Wer den Elch ruft, muss sich über die Konsequenzen im Klaren sein und mit mindestens zwei Ergebnissen rechnen. Entweder der Elch kommt – oder jemand wird zum Elch. Also Vorsicht: Die Kontaktaufnahme zum Elch funktioniert in jedem Fall. 😉