Fundstücke (6): Zwei „Elche“ in Ägypten

Elch-Kinderbuch_Elch-T-ShirtsAlle schreiben über die WM in Brasilien – wir aber über Elchiges…

Elch-Shirts sind nicht cool

Elch-Kinderbuch_Elch-T-Shirt_1

Die unabhängige Organisation der National Parks Conservation Association (NPCA) hat sich das Ziel gesetzt: „to protect and enhance America’s National Park System for present and future generations“.

Achtung: Wer mit einem Elch-T-Shirt rumläuft gehört nicht zu den coolen und hippen Kids. Soviel steht fest. Und das betrifft ausnahmslos alle, die älter als 12 Jahre alt sind. Und dieses eherne Gesetz galt übrigens auch schon in den 90er Jahren. Trotzdem beobachtet man hin und wieder Unverzagte, die Elchmotive auf ihren Shirts zur Schau tragen – und ich gehöre dazu. Das belegen Fotos, die insbesondere in den 90er Jahren aufgenommen wurden. Es wird uns Elch-Fans aber auch leicht gemacht, da eine Vielzahl an T-Shirts mit Elchmotiven allerorts angeboten werden. Heute nennt man solche Leute wohl Nerds. Also gut, ich bekenne: Ich bin ein Elch-Nerd! Weiterlesen

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Historische Elche (Teil 4): Rätsel um den Bernsteinelch von Weitsche

Sein Fund ist eine Sensation: Der urgeschichtliche Bernsteinelch von Weitsche – benannt nach seinem Fundort, einem Acker in der Nähe des kleinen niedersächsischen Dorfes Weitsche.Der Bernsteinelch von Weitsche

Der erste Elch in der Kunst

Das spektakuläre Bernsteinobjekt wird im Landesmuseum in Hannover ausgestellt und zählt zu den größten kunstgeschichtlichen Schätzen des Landes Niedersachsens. Kein Wunder: Gilt der Elch doch – mit seinem enormen Alter von ca. 14.000 Jahren, was in diesem Jahr dank Radiokarbondatierung bestätigt wurde – als das älteste Kunstwerk Niedersachsen und als die früheste Darstellung eines Elches überhaupt.

14.000 Jahre altes Puzzle

Seit den 90er Jahren war der Acker bei Weitsche im Kreis Lüchow-Dannenberg für die Archäologen von besonderem Interesse. Hier befanden sich in der ausgehenden Eiszeit wohl mehrere Lagerplätze von Waldjägern. Viele Fundstücke aus bearbeitetem Bernstein brachten die Grabungen ans Licht – auch die zerbrochenen Teile einer einzigartigen, kunstvollen Tierdarstellung aus Bernstein. Bedauerlicher Weise fehlte ihr jedoch der Kopf. Die Experten rätselten daher lange, ob es sich um ein Pferd handeln würde. Im Jahr 2004 schließlich entdeckten Archäologen nach langjähriger Suche und mühseliger Puzzlearbeit den fehlenden Bernsteinkopf: Er ermöglichte eine endgültige Deutung der naturalistischen Tierfigur. Und: Es ist eindeutig ein Elch. Denn der Kopf zeigt charakteristische Merkmale wie ein großes Maul und einen Hautsack am Hals. In diesem Jahr schließlich wurde auch das Rätsel um das hohe Alter der Bernsteinfigur abschließend geklärt: Der Elch ist wirklich vor unglaublichen rund 14.000 Jahren von einem Künstler des Jungpaläolithikums geschaffen worden.

Der Bernsteinelch von Weitsche mit unserer Steckgeweih-IdeeElchkuh oder Elchbulle?

Schlussendlich identifizierten die Wissenschaftler die handtellergroße Tierskulptur als weiblichen Elch. Aber warum? Wahrscheinlich, weil sich unter den bisher gefundenen Bruchstücken kein Elchgeweih befand. Ein weiteres Rätsel umgibt die Bohrlöcher an beiden Seiten des Kopfes – und zwar jeweils im Ohrbereich. Wäre es nicht möglich, dass die angebrachten Bohrungen einer ganz bestimmten Funktion dienten? Vielleicht waren ursprünglich hier die möglicherweise fehlenden Geweihschaufeln angebracht. Die Position der Bohrlöcher ließe diese Vermutung zu, da hier die Schaufeln anatomisch an der korrekten Stelle wären. Dann wäre das kleine Kunstwerk keine Elchkuh gewesen, sondern ein Elchbulle. Wir haben unsere Idee oben im Bild einmal skizziert.

Weitere Rätsel

Der Kopf des Bernsteinelchs von WeitscheDie Forscher, für die die Frage ob Elchkuh oder Elchbulle geklärt zu sein scheint, beschäftigen sich indes mit anderen Rätseln – beispielsweise mit der Frage nach der Funktion des wertvollen Objekts: Welchen Sinn hatte die kunstgeschichtlich unschätzbare Skulptur? Sie besteht aus Bernstein, das auch in prähistorischen Epochen der Menschheitsgeschichte als sehr selten und kostbar galt. Und der Mensch schrieb dem Bernstein ähnlich wie Gold jahrtausendelang stets auch magische Fähigkeiten wie legendäre Heilkräfte und Schutzzauber zu. Möglich wäre es, meinen die Historiker, dass der Elch als Aufsatz einen „Schamanenstab“ schmückte und somit religiöse und rituelle Bedeutung für die frühen Waldjäger hatte. Wurde mit dem „Zauberelch“ das Jagdglück für die Elchjäger beschworen? Manche Rätsel um den Elch von Weitsche werden wohl nie geklärt werden können…

Historische Elche (Teil 3): Elche in der Nazi-Kunst

Nach unseren ersten beiden Blog-Einträgen zum Thema „Historische Elche“ (Teil 1 und Teil 2) folgt heute ein Exkurs in das finsterste Kapitel deutscher Geschichte:

Elche in der Nazi-Kunst

„Große Deutsche Kunstausstellung“ – so nannten die Nationalsozialisten ihre Verkaufsausstellung mit Kunst, die – wie sie es bewerteten – nicht „entartet“ war. Die Große Deutsche Kunstausstellung (GDK) fand in den Jahren 1937 bis 1944 im speziell dafür errichteten Haus der Deutschen Kunst in München statt und sollte die Kunst im Nationalsozialismus repräsentieren.

Die Kunst der 1910er und 1920er Jahre hatte bewiesen, wie aufregend Kunst in Deutschland sein konnte. Nach 1933 war jedoch nur noch erlaubt, was der NS-Ideologie entsprach. Die besten Künstler Deutschlands waren längst geflohen, ins äußere oder ins innere Exil. Die Banalität des verbleibenden Rests offenbart seit Oktober 2011 ein kunsthistorisches Online-Fotoarchiv, GDK Research, vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München.

Der GDK-Katalog von 1937 verhieß: „So ist klar, daß die einzige gesamtdeutsche Kunstausstellung – dies ist nach dem Willen des Führers jetzt und für alle Zeiten die alljährliche Ausstellung im Haus der Deutschen Kunst zu München – nur das Vollkommenste, Fertigste und Beste zeigen kann, was deutsche Kunst zu vollbringen vermag.“

Nazi-Elchkalb im Tierpark?

Zum angeblich Besten und Vollkommensten zählten insgesamt 12.550 Werke. Darunter auch 21 Elch-Gemälde, -Zeichnungen und -Plasiken – unter anderem zwei von Bildhauer Harry Christlieb. Während viele Werke seit dem Krieg wohl als verschollen oder zerstört zu betrachten sind, ist es wahrscheinlich, dass von den beiden „Jungen Elchen“ von Christlieb ein Kalb erhalten geblieben und öffentlich zugänglich ist. Ein Katalog der Skulpturen im öffentlichen Raum Berlins listet eine Tierfigur auf, die dem linken Elchkalb von 1940 doch sehr ähnelt. Das Bronze-Kalb steht im Tierpark-Friedrichsfelde, gegenüber dem Rhesusaffenkäfig, und ist grob auf „vor 1960“ datiert worden. (Nach einem Hinweis von uns ist die Datierung inzwischen korrigiert.) In der GDK von 1940 hatte das Elchkalb noch einen Zweig im Maul, der auf dem Foto aus dem Tierpark nicht mehr vorhanden oder zumindest nicht zu erkennen ist.

Elche passten nicht ins NS-Weltbild

Auch wenn nur ein geringer Teil der Kunstobjekte der GDK offen nationalsozialistische Propaganda betrieb, entsprachen sie doch der kranken Weltanschauung des Terror-Regimes. Unter den GDK-Kunstwerken finden sich in der Darstellungen von Huftieren 21 Elche, 43 Hirsche und 65 Kühe (zuzüglich 16 Kälber). Zum Vergleich: Die Ausstellungen zeigten 23 Darstellungen von Elefanten, 59 von Adlern und zwei von Lämmern.

Was sagen uns diese Zahlen? Offensichtlich passte der Elch nicht ganz ins herrschende Weltbild, folgte nicht ganz dem NS-Kunstgeschmack, war damals nicht ganz so beliebt wie heute. Vielleicht lag es am riesigen Kopf des Elchs, den viel zu langen und dünnen Beinen, dem großen Maul und der insgesamt eher komisch wirkenden Gestalt? Auch sind die erhaltenen Verkaufszahlen der Elch-Werke in der GDK spärlich. Lediglich ein Elch-Bild wurde vom Führer gekauf, der ansonsten Millionen von RM ausgab und jeden Schrott kaufte (1312 Kunstwerke). Goebbels schien offenbar gar keine Elche zu mögen. Das freut den Elch-Fan!

Alle Elche in der GDK 1937 – 1944:

Elchwild in Ostpreußen (Bild), Carl von Dombrowski, GDK 1938

Elch (Tierfigur), Josef Pallenberg, GDK 1938

Ziehender Elchhirsch (Bild), Leopold Rothaug, GDK 1938

Flämender Elch (Tierfigur), Christian Metzger, GDK 1938

Brunstige Elche am Kurischen Haff (Bild), Edgar Schilke, GDK 1939

Elchhirsch (Bild), Carl von Dombrowski, GDK 1939 (Käufer: Adolf Hitler, Preis: 5.000 RM)

Elchkuh (Tierfigur), Hermann Geibel, GDK 1939

Junge Elche (Tierfigurengruppe), Harry Christlieb, GDK 1940

Elch (Bild), Edgar Schilke, GDK 1940

Elch (Tierfigur), Harry Christlieb, GDK 1940

Elch (Tierfigur), Fritz Heidenreich, GDK 1940

Kämpfende Elche (Bild), Friedrich Reimann, GDK 1941

Nehrungs-Elche (Zeichnung), Karl Nass, GDK 1941

Elch (Tierfigur), Georg Curt Bauch, GDK 1941

Elch an der Tränke (Tierfigur), Kurt Tausch, GDK 1941

Elche an der Kurischen Nehrung (Bild), Michael Kiefer, GDK 1942

Elche im Moor (Bild), Herbert Schnürpel, GDK 1942

Elche (Zeichnung), Karl Naas, GDK 1942

Elch (Tierfigur), Arn Walter, GDK 1943

(Foto oben: GDK1940_09_01, Aufnahme: Jaeger und Goergen, 1940, Fotobesitzer: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek; Foto unten: GDK1940_08_01, Aufnahme: Jaeger und Goergen, 1940, Fotobesitzer: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek)

Der Elch als Kunstobjekt

Dolph der Elch besucht eine Kunstausstellung von Haroshi

Dolph und der Recycling-Elch

Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt. Und Kunst ist das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Die Kunst ist – so Goethe – eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.

Das kommende Wochenende steht für bruedergoedde ganz im Zeichen der Kunst, denn Christian (der ja nicht nur Bücher und Elch-Kinderbücher illustriert) führt mit seinen drei Recklinghäuser AAL-Mitstreitern die zweitägige „Werkschau 1“ durch, bei der viele Bilder, Plastiken und Illustrationen sowie Mode und Schmuck präsentiert werden.

Zudem beleuchtet unser Elch-Blog dieses unerschöpfliche Thema mit zwei Artikeln. Hier ist der erste Artikel – der zweite („Historische Elche Teil 3“) folgt voraussichtlich am Sonntag. Viel Spaß beim Lesen!

Der Elch als KunstobjektAusstellung mit Exponaten von Haroshi

Der Elch erfreut sich bei Kunstschaffenden und Kunstinteressierten einer großen Beliebtheit. Warum das so ist, können wir nur mutmaßen.

Nachdem wir bereits in unserem letzten Blogeintrag den Origami-Elch von Rober J. Lang vorgestellt hatten, berichten wir nun über zwei Elch-Kunstprojekte, die ebenfalls absolut ungewöhnlich und sehr beeindruckend sind…

Haroshi Recycling-Elch

Der Recycling-Elch

Einzigartig kreativ, von beeindruckendem handwerklichen Geschick, enormer räumlicher Vorstellungskraft und überragender Ästhetik. Es fällt schwer, die Objekte des Künstlers Haroshi treffend zu beschreiben, ohne ins Schwärmerische zu geraten.

So ungewöhnlich seine Objekte sind, so ungewöhnlich ist auch das Material, mit dem Haroshi seine Kunst schafft: mit alten Skateboards! Das ist Recycling! Denn die schrottreifen Boards werden von ihm gestapelt, verleimt, zersägt und schließlich als Mosaikstein oder Scheibe zu kunstvollen Plastiken zusammengesetzt. So entstehen Haroshis Werke, von denen der Elchkopf bestimmt eines der bemerkenswertesten ist.

Moose on Parade

New Hampshire Moose Parade

New Hampshire Moose Parade

Wer sagt, dass Kunst im öffentlichen Raum immer langweilig oder abgehoben sein muss? Im Jahr 1998 entstand in Zürich die Idee der „Kuh-Kultur“ und entwickelte sich schnell zu einem aufsehenerregenden, internationalen Kunstprojekt mit enormem PR-Potential für Künstler, Sponsoren und Städte.

Waren es anfangs naturgetreue Fieberglas-Modelle von Kühen, die zu Hunderten von Künstlern fantasievoll bemalt und bunt gestaltet das Straßenbild in den Metropolen der Erde bereicherten, so sind es bei den weltweiten aber auch in Deutschland organisierten Tierparaden inzwischen beispielsweise Bären (Berlin), Schweine (Schweinfurt), Pferde (Aachen), Löwen (München) oder Nashörner (Dortmund).

Und in den Vereinigten Staaten sind es eben gerne auch mal Elche. Wie zum Beispiel im Jahr 2000 in Toronto im Bundesstaat Ontario als das Event unter dem Namen „Moose in the City“ alle Bewohner und Besucher von Toronto begeisterte. Exakt 326 künstlerisch veredelte Elch-Skulpturen standen verteilt über das gesamte Stadtgebiet. Oder in Bennington, Vermont, wo im Jahr 2009 das „Moosefest“ mit großem Erfolg stattfand. Besonders beeindruckend fiel das Event 2008 im US-Bundesstaat New Hampshire aus: Für die „New Hampshire Moose Parade“ fertigten Kunststudenten zahllose individuelle, lebensgroße Elch-Skulpturen wie dieses Video dokumentiert.

Moose on Parade

Historische Elche (Teil 2): Elche im US-Präsidentschaftswahlkampf

Obama gegen Romney – das Duell hat begonnen!

In diesen Tagen hat die heiße Phase des Wahlkampfs zwischen Mitt Romney und Barack Obama begonnen. Wir Mitteleuropäer nutzen gerne die Chance, um mit großem Unverständnis und unter heftigem Kopfschütteln auf die politischen Sitten der US-Amerikaner zu blicken. Und was wir sehen, ist wahrlich unverständlich…

Auf ihrem Parteitag in Tampa haben die Republikaner Mitt Romney nun zum Präsidentschaftskandidaten nominiert. Er wird also gegen den amtierenden Präsidenten und Demokraten Barack Obama antreten. Doch das Bild, das die Republikanische Partei nach außen abgibt, wirkt nicht geschlossen: Der Kandidat findet teils keine oder nur halbherzige Unterstützung, es kam darüber hinaus während des Parteitages zum ein oder anderen Eklat, zu rassistischen Übergriffen, zu deutlichen Protesten der Basis, die von der Parteispitze mit Hilfe von Ordnern beendet wurden. Keine wirklich gute Ausgangslage für einen erfolgreichen Wahlkampf. Immerhin wurde auf den Kandidaten noch nicht geschossen – so wie vor 100 Jahren schon einmal geschehen…

Die „Bull Moose Party“

Vor genau 100 Jahren ging ebenfalls ein tiefer Riss durch die amerikanischen Konservativen. Im August des Jahres 1912 führte dieser Riss zur Gründung einer dritten politischen Partei, der „Progressive Party“. Ihr Gründer war der überaus populäre 26. Präsident der Vereinigten Staaten, Kriegsheld, Panamakanal-Erbauer und Friedensnobelpreisträger Theodore „Teddy“ Roosevelt. Er stärkte beispielsweise die Rechte der Arbeiter, beschnitt die Macht der großen Wirtschaftsunternehmen und setzte sich für den Naturschutz ein. Diese Politik wollte er in einer dritten Amtszeit fortsetzen. Auf die Frage, ob er sich stark genug fühlen würde, einen neuen Wahlkampf zu führen und um eine weitere Amtszeit als Präsident zu bestehen, soll er geantwortet haben: „I am as strong as a bull moose and you can use me to the limit.“ Und so kamen die Progressiven zu ihrem Spitznamen „Elchbullenpartei“.

Attentat auf den Elchbullen

In der amerikanischen Bevölkerung gab es jedoch längst nicht nur progressive Elch-Freunde. Das zeigte spätestens das Attentat auf Roosevelt am 14. Oktober 1912. Zwar soll der Schuss aus unmittelbarer Nähe abgefeuert worden sein, doch erlitt Roosevelt lediglich eine Fleischwunde. Grund dafür sei ein dickes Redemanuskript in seiner Jacke gewesen, das die Kugel abstoppte. Er hielt seine über 60 Minuten lange Rede, bevor er ins Krankenhaus gebracht wurde. Am Ende seiner Rede zeigte Colonel Roosevelt den Zuhörern das Manuskript mit dem Einschussloch und rief: „You see, it takes more than that to kill a Bull Moose!“

Der Teddyelch

Jeder kennt ihn: Den Steiff-Teddybären. Der Legende nach bekam der Teddybär seinen Namen durch Theodore „Teddy“ Roosevelt, der – so die Legende – 1902 auf einer Jagd in Mississippi gerne einen Bären erlegt hätte. Allerdings ließ sich nirgends ein wilder, ausgewachsener und gefährlicher Bär für den Präsidenten auftreiben. Lediglich ein Schwarzbärenjunges, das zudem noch an einem Baum fest gebunden wurde. Doch der passionierte Waidmann Roosevelt weigerte sich, dem Jungtier ein Haar zu krümmen. Diese Situation wurde von Clifford K. Berryman, einem Karikaturisten der Washington Post, in einer Zeichnung festgehalten und verbreitet. Von da an zeichnete Berryman in seinen Karikaturen oft einen niedlichen Bären an der Seite von Roosevelt, so dass das kleine Bärchen schnell zur Symbolfigur des Präsidenten wurde.

Es ist wohl kein Wunder, dass wir dessen ungeachtet der Meinung sind, der Elch wäre eine passendere Symbolfigur für Roosevelt. Dass wir damit richtig liegen, belegt nicht nur die obige Geschichtsstunde zur Bull Moose Party sondern ebenso ein Foto – vermutlich wohl eine Collage aus dem Wahlkampfjahr 1904 –, auf dem Roosevelt auf einem schwimmenden Elch reitend einen Fluss überquert. Wie bedauerlich, dass es keine Teddyelche gibt.

Übrigens: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte! Durch die politische Zerrissenheit der Konservativen (die Lager Roosevelts einerseits und William Howard Tafts andererseits) gelang dem Demokraten Thomas Woodrow Wilson der Wahlsieg und er zog als 28. Präsident ins Weiße Haus ein.

Historische Elche (Teil 1): Zwei Alemannen suchen einen Elch

„Aigil und Ailrūn suchen einen Elch.“

Das jedenfalls könnte der Inhalt einer Inschrift auf einer frühmittelalterlichen Gürtelschnalle sein. Doch die Deutung des in Runen verfassten Stabreims aus dem 6. Jahrhundert ist schwierig und wirft viele Fragen auf.

Seit dem Fund der Schnalle 1996 in einem alemannischen Grab in Pforzen im Allgäu regen die Runen namhafte Wissenschaftler zu kontroversen Diskussionen an. Schließlich fällt dem Fund durch die Inschrift eine hohe Bedeutung in der Sprach- und Literaturgeschichte zu: Es ist die wohl älteste überlieferte Form des Althochdeutschen.  Zudem vermuten die Wissenschaftler wegen der Nennung der Personennamen des Egil und der Ölrun eine Verbindung zur Wieland-Sage. Dann wäre die Runenschnalle von Pforzen ein wichtiges Zeugnis der germanischen Heldendichtung. Der Sage zufolge war der Bogenschütze Egil der Bruder von Wieland dem Schmid, seine Frau Ölrun (Alrun) war eine Walküre.

Deutungen zu „aigil andi aïlrun elahu gasokun“

  • Prof. Dr. Klaus Düwel meint: „Aigil und Ailrūn haben die Hirsche (=die Hirschverkleidung, -maskierung oder -verwandlung) verflucht.“
  • Prof. Dr. Ute Schwab glaubt: „Aigila und Ailrūn beschwichtigten das [dämonische] Aal-Wasser (=Schlangen-Wasser).“
  • Prof. Dr. Robert Nedoma denkt: „Aigil und Ailrūn kämpften/stritten zusammen an der Alzach.“
  • Prof. Dr. Elmar Seebold vermutet: „Aigil und Halrūn haben mit Bedacht den See-Týr verworfen.“
  • Prof. Dr. Dr. Norbert Wagner schlussfolgert: „Aigil und Ailrūn haben die/der Angiltāh gescholten/gedroht.“
  • Mindy MacLeod und Bernard Mees deuten: „Aigil und Ailrūn suchen einen Elch.“
  • Dolph der Elch ist überzeugt: „Aigil und Ailrūn haben einen weichen Keks.“ 😉

Unser Elch-Blog: Historischen Elchen auf der Spur

Es ist schon bemerkenswert: In unserem Elch-Kinderbuch-Blog wollten wir ursprünglich lediglich einen „zukünftigen“ Elch vorstellen – unseren Dolph, unseren Kinderbuchhelden. Oft sind wir jedoch bei den Recherchen über so interessante Anekdoten, Berichte oder Geschichten zum Thema „Elch“ gestolpert, dass wir sie hier gerne vor unseren Lesern, Freunden und Fans ausgebreitet haben. (Wie zuletzt mit dem Artikel über die „Finnische Luftwaffe„.)

Immer wieder berichteten wir dabei auch über Elche in der Vergangenheit:

Der zeitgeschichtliche Elch:
Sonderpostkarte der Ostmesse, Königsberg 1939, und Lexikoneintrag von 1933

Der Elch in der Frühen Neuzeit:
Schwedische Kriegselche im 17. Jahrhundert

Der antike Elch:
Der Elch bei Caesar
und Elche im antiken Ägypten

Der ur- und frühgeschichtliche Elch:
Elchdarstellungen
in Norwegen, Elchgeweih aus Dorsten und Elch-Geoglyphe im Südural

Zugegeben: Das sind schon einige Artikel über historische Elche. Allerdings fällt dabei auf, dass wir bislang ganze Geschichtsepochen völlig unberücksichtigt gelassen haben. Gab es beispielsweise keine Elche im Mittelalter? Dieser Frage werden wir in den kommenden Wochen verstärkt nachgehen – aber auch die übrigen Epochen weiter Elch-historisch beleuchten…