Fundstücke (7): Der „Rote Elch“ von Minitrix

Elch-Kinderbuch_Roter_Elch

Mini-Lok und Riesenelch! Wir bitten um Nachsicht: Das Bild gibt wohl nicht das korrekte Größenverhältnis einer Modell-Lokomotive V 200 der Spur N, genannt der „Rote Elch“, zu einem echten Elchbullen wieder…

Wir wussten es! In irgendeiner verstaubten Ecke des elterlichen Kellers lagert unsere Modelleisenbahn aus Kindertagen, Spur N von Minitrix! Und irgendwo musste auch die legendäre Lok zu finden sein, über die wir schon vor zwei Jahren berichtet hatten: Der „Rote Elch“ – die legendäre Großdiesellokomotive der DB-Baureihe V 200. (Okay, okay, das Modell-Original – die erste Lok mit diesem Namen – war eine Fleischmann, Spurweite H0. Alles Wissenswerte dazu im Blog-Beitrag von 2012. Unter anderem gingen wir auch der Frage nach: Wie kam die Lok zu ihrem ungewöhnlichen Namen?) Weiterlesen

Der „Rote Elch“: Die Großdiesellokomotive V 200

Der „Rote Elch“ – eine kraftvolle Lokomotive der Superlative!

Gewicht: ca. 77 Tonnen, Länge über Puffer: mehr als 18 Meter, Motor: 2 x V12-Zylinder-Diesel, Leistung: 2 x 1100 PS, Dauerleistung: 1618 Kilowattstunden, Höchstgeschwindigkeit: 140 Kilometer pro Stunde. Wer einmal eine V 200 in ihrer charakteristischen roten Lackierung im Einsatz gesehen, gespürt und erlebt hat, der weiß, was wahre Kraft ist. Mit diesen Dieselloks sind wir im Ruhrgebiet groß geworden. Ihre Heimatbahnhöfe waren seit den 70er Jahren Gelsenkirchen-Bismarck und Oberhausen-Osterfeld-Süd. Sie zogen schwere Güterzüge mit Kohle oder Erz und dröhnten ohrenbetäubend auch an Recklinghausens Hauptbahnhof vorbei. Doch unvergessen sind bei älteren Eisenbahnkennern insbesondere die Schnellzug-Einsätze auf der „Vogelfluglinie“ oder auf der gebirgigen Schwarzwaldbahn.

Gefeierte technische Pionierleistung

Die erste Großdiesellokomotive ihrer Art, die V 200 001, war eine zweimotorige Lok mit hydraulischer Kraftübertragung. Sie symbolisierte den wirtschaftlichen Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg, mit dem sich die Ära der Dampflokomotiven dem Ende entgegen neigte. Sie verkörperte modernste Ingenieurskunst und zukunftsweisende Industrie- und Verkehrskonzeption – sie war der Stolz der noch jungen Deutschen Bundesbahn (DB). Am 20. Juni 1953 wurde sie von der traditionsreichen Lokomotivfabrik Krauss-Maffei in München ausgeliefert.

Wie ist die rote Diesellok V 200 zu ihrem Spitznamen „Roter Elch“ gekommen?

Eine Frage, die niemand mehr so richtig beantworten kann, zu der aber viele (Modell-) Eisenbahn-Liebhaber, Technik-Enthusiasten und Hobby-Lokführer ihre eigenen Theorien haben. Hier sind drei davon:

  • Als „Roter Elch“ wurde die zweimotorige V 200.1 bezeichnet, weil die erste Lieferserie V 200 101 bis V 200 120 aus Platz- und Gewichtsgründen keine Schalldämpfer besaß und daher röhrte wie ein Elch während der Brunft. Aber auch später mit Schalldämpfern ausgestattet: Besonders im Volllast-Bereich galt die Maschine als unüberhörbar laut.
  • Beim Nürnberger Modelleisenbahn-Hersteller Fleischmann war Rolf P. Nattermüller (+ 2007) Werbemanager und Ansprechpartner für die Fachpresse. Zudem verantwortete er maßgeblich den „Fleischmann-Kurier“. Angeblich aus werbestrategischen Gründen gab er den Loks im Katalog einprägsame und kreative Namen, die bei den Modellbahn-Fans über Jahrzehnte hinweg auf eine wachsende Hass-Liebe stießen.
  • Die bulligen Dieselloks V 200.0 und V 200.1 (ab 1968 Baureihe 220 und BR 221) hatten ihren Spitznamen „Roter Elch“ – wie viele Loks zuvor und nach ihr – von den Eisenbahnern selbst erhalten. Sie prägten ebenfalls die Namen „Schwarzer Elefant“ (BR 55), „Steppenpferd“ (BR 24) oder „Bubikopf“ (BR 64). Fleischmann hatte wohl einen hervorragenden Draht zu den Eisenbahnern und so kam es, dass die Spitznamen der echten Loks schneller in den Katalogen von Fleischmann – als beispielsweise in denen von Märklin – ihre Entsprechung fanden.

Über den „Roten Elch“ gibt’s im Blog noch einen weiteren lesenswerten Artikel mit einem echt gelungenen Elch/Lok-Bild: Fundstücke (7): Der “Rote Elch” von Minitrix