Statement (4): Augen auf, Ignorant! Ein Rehbock ist kein Hirsch!

Elch-Blog_Biosystematik_Hirschfamilie

Die bekanntesten Arten der Hirsche: Oben links: das Reh, oben rechts: der Rothirsch, unten links: der Elch, unten rechts: das Ren.

Bambi-Irrtum und Biosystematik

Als 1942 Disneys Film „Bambi“ in die Lichtspieltheater kam, unterlief der deutschen Synchronisation ein folgenschwerer Fehler: Der junge Weißweldelhirsch – das Hirschkalb Bambi – erhielt die Bezeichnung Rehkitz. Seither ist in Deutschland der so genannte „Bambi-Irrtum“ in der Welt. Demnach gehören Hirsch und Reh zur gleichen Art. Das Reh ist entweder das Jungtier der Hirsche oder ein weiblicher Hirsch. Hier ist das Phänomen Bambi-Irrtum nicht wählerisch. Aber alle Schuld auf die Synchronisation zu laden, ist zu einfach. Die Opfer des Bambi-Irrtums hatten seit 1942 ja wohl Zeit genug, sich die bekanntesten Arten der großen Familie der Hirsche genauer anzusehen.

Biologie für Ignoranten

Elch-Blog_Leuchte-Hirsch

Einen ziemlichen Bock geschossen hat Mey & Edlich: Diese Lampe als „Leuchte-Hirsch“ zu bewerben, ist völlig daneben. Der beschreibende Text zeigt, dass der Verfasser null Ahnung von der heimischen Tierwelt hat. Du Hirsch, das ist ein Rehbock!

Die Säugetierfamilie der Hirsche ist groß. Mindestens 45 Arten zählen dazu. Und – ja, zugegeben – die eine Art kann durchaus auch zum Verwechseln große Ähnlichkeit mit einer anderen Art aufweisen. Daher gehen diverse Wissenschaftler auch von 48 Arten aus. In Deutschland leben fünf Arten – der Rothirsch, der Damhirsch, das Reh, der Sikahirsch und der Elch. Aber um es gleich zu sagen: Das deutsche Reh sollte wohl jeder vom amerikanischen Weißwedelhirsch unterscheiden können. Okay? Die Biosystematik soll dabei helfen, die unterschiedlichen Arten der Lebewesen klar zu benennen. So auch bei Säugetierfamilie Hirsch. Allen Hirscharten gleich ist neben der Familienzugehörigkeit, dass sie Paarhufer (Ordnung) und Wiederkäuer (Unterordnung) sind. Kompliziert wird’s dann schon bei den Unterfamilien. Da unterscheidet der Biologe in seiner Systematik vier Unterfamilien – unter anderem in „Echte Hirsche“ und „Trughirsche“. Der Rothirsch, der Sikahirsch und der Damhirsch sind beispielsweise Echte Hirsche, der Weißwedelhirsch, das Reh, das Ren und der Elch sind Trughirsche.

Rehbock und Rothirsch, Elch und Rentier

Wer im Zoo oder Wildgehege auf Hirscharten trifft, dem helfen die Hinweistafeln bei der grundlegenden Fragestellung der Artbestimmung aus jeder Patsche. In der freien Wildbahn sieht die Sache schon anders aus. Und trotzdem… Besonders weibliche Hirscharten in teutschen Wäldern sind durch ihre Größe leicht zu unterscheiden. Das weibliche Reh (Fach- und Weidmann sagen „die Ricke“) ist schmal und klein im Vergleich zur Rothirschkuh. Beide haben kein Geweih. Der männliche Rehbock ist deutlich kleiner als der Rothirsch und trägt ein kurzes Geweih („Gehörn“ genannt), der Rothirsch ein großes, verzweigtes Geweih. Beide werfen ihr Geweih in den Wintermonaten ab – dann wird’s kniffliger. Gerne verwechseln Touristen in Skandinavien auch mal Elche und Rentiere miteinander. Dabei ist es besonders einfach Rentiere zu erkennen: Sie ziehen den Schlitten vom Weihnachtsmann und einer hat eine rote Nase. Elche hingegen ziehen niemals einen Schlitten und haben bestimmt nie eine rote Nase! 😉

 

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