Historische Elche (Teil 3): Elche in der Nazi-Kunst

Nach unseren ersten beiden Blog-Einträgen zum Thema „Historische Elche“ (Teil 1 und Teil 2) folgt heute ein Exkurs in das finsterste Kapitel deutscher Geschichte:

Elche in der Nazi-Kunst

„Große Deutsche Kunstausstellung“ – so nannten die Nationalsozialisten ihre Verkaufsausstellung mit Kunst, die – wie sie es bewerteten – nicht „entartet“ war. Die Große Deutsche Kunstausstellung (GDK) fand in den Jahren 1937 bis 1944 im speziell dafür errichteten Haus der Deutschen Kunst in München statt und sollte die Kunst im Nationalsozialismus repräsentieren.

Die Kunst der 1910er und 1920er Jahre hatte bewiesen, wie aufregend Kunst in Deutschland sein konnte. Nach 1933 war jedoch nur noch erlaubt, was der NS-Ideologie entsprach. Die besten Künstler Deutschlands waren längst geflohen, ins äußere oder ins innere Exil. Die Banalität des verbleibenden Rests offenbart seit Oktober 2011 ein kunsthistorisches Online-Fotoarchiv, GDK Research, vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München.

Der GDK-Katalog von 1937 verhieß: „So ist klar, daß die einzige gesamtdeutsche Kunstausstellung – dies ist nach dem Willen des Führers jetzt und für alle Zeiten die alljährliche Ausstellung im Haus der Deutschen Kunst zu München – nur das Vollkommenste, Fertigste und Beste zeigen kann, was deutsche Kunst zu vollbringen vermag.“

Nazi-Elchkalb im Tierpark?

Zum angeblich Besten und Vollkommensten zählten insgesamt 12.550 Werke. Darunter auch 21 Elch-Gemälde, -Zeichnungen und -Plasiken – unter anderem zwei von Bildhauer Harry Christlieb. Während viele Werke seit dem Krieg wohl als verschollen oder zerstört zu betrachten sind, ist es wahrscheinlich, dass von den beiden „Jungen Elchen“ von Christlieb ein Kalb erhalten geblieben und öffentlich zugänglich ist. Ein Katalog der Skulpturen im öffentlichen Raum Berlins listet eine Tierfigur auf, die dem linken Elchkalb von 1940 doch sehr ähnelt. Das Bronze-Kalb steht im Tierpark-Friedrichsfelde, gegenüber dem Rhesusaffenkäfig, und ist grob auf „vor 1960“ datiert worden. (Nach einem Hinweis von uns ist die Datierung inzwischen korrigiert.) In der GDK von 1940 hatte das Elchkalb noch einen Zweig im Maul, der auf dem Foto aus dem Tierpark nicht mehr vorhanden oder zumindest nicht zu erkennen ist.

Elche passten nicht ins NS-Weltbild

Auch wenn nur ein geringer Teil der Kunstobjekte der GDK offen nationalsozialistische Propaganda betrieb, entsprachen sie doch der kranken Weltanschauung des Terror-Regimes. Unter den GDK-Kunstwerken finden sich in der Darstellungen von Huftieren 21 Elche, 43 Hirsche und 65 Kühe (zuzüglich 16 Kälber). Zum Vergleich: Die Ausstellungen zeigten 23 Darstellungen von Elefanten, 59 von Adlern und zwei von Lämmern.

Was sagen uns diese Zahlen? Offensichtlich passte der Elch nicht ganz ins herrschende Weltbild, folgte nicht ganz dem NS-Kunstgeschmack, war damals nicht ganz so beliebt wie heute. Vielleicht lag es am riesigen Kopf des Elchs, den viel zu langen und dünnen Beinen, dem großen Maul und der insgesamt eher komisch wirkenden Gestalt? Auch sind die erhaltenen Verkaufszahlen der Elch-Werke in der GDK spärlich. Lediglich ein Elch-Bild wurde vom Führer gekauf, der ansonsten Millionen von RM ausgab und jeden Schrott kaufte (1312 Kunstwerke). Goebbels schien offenbar gar keine Elche zu mögen. Das freut den Elch-Fan!

Alle Elche in der GDK 1937 – 1944:

Elchwild in Ostpreußen (Bild), Carl von Dombrowski, GDK 1938

Elch (Tierfigur), Josef Pallenberg, GDK 1938

Ziehender Elchhirsch (Bild), Leopold Rothaug, GDK 1938

Flämender Elch (Tierfigur), Christian Metzger, GDK 1938

Brunstige Elche am Kurischen Haff (Bild), Edgar Schilke, GDK 1939

Elchhirsch (Bild), Carl von Dombrowski, GDK 1939 (Käufer: Adolf Hitler, Preis: 5.000 RM)

Elchkuh (Tierfigur), Hermann Geibel, GDK 1939

Junge Elche (Tierfigurengruppe), Harry Christlieb, GDK 1940

Elch (Bild), Edgar Schilke, GDK 1940

Elch (Tierfigur), Harry Christlieb, GDK 1940

Elch (Tierfigur), Fritz Heidenreich, GDK 1940

Kämpfende Elche (Bild), Friedrich Reimann, GDK 1941

Nehrungs-Elche (Zeichnung), Karl Nass, GDK 1941

Elch (Tierfigur), Georg Curt Bauch, GDK 1941

Elch an der Tränke (Tierfigur), Kurt Tausch, GDK 1941

Elche an der Kurischen Nehrung (Bild), Michael Kiefer, GDK 1942

Elche im Moor (Bild), Herbert Schnürpel, GDK 1942

Elche (Zeichnung), Karl Naas, GDK 1942

Elch (Tierfigur), Arn Walter, GDK 1943

(Foto oben: GDK1940_09_01, Aufnahme: Jaeger und Goergen, 1940, Fotobesitzer: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek; Foto unten: GDK1940_08_01, Aufnahme: Jaeger und Goergen, 1940, Fotobesitzer: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Photothek)

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2 Antworten zu “Historische Elche (Teil 3): Elche in der Nazi-Kunst

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