Historische Elche (Teil 2): Elche im US-Präsidentschaftswahlkampf

Obama gegen Romney – das Duell hat begonnen!

In diesen Tagen hat die heiße Phase des Wahlkampfs zwischen Mitt Romney und Barack Obama begonnen. Wir Mitteleuropäer nutzen gerne die Chance, um mit großem Unverständnis und unter heftigem Kopfschütteln auf die politischen Sitten der US-Amerikaner zu blicken. Und was wir sehen, ist wahrlich unverständlich…

Auf ihrem Parteitag in Tampa haben die Republikaner Mitt Romney nun zum Präsidentschaftskandidaten nominiert. Er wird also gegen den amtierenden Präsidenten und Demokraten Barack Obama antreten. Doch das Bild, das die Republikanische Partei nach außen abgibt, wirkt nicht geschlossen: Der Kandidat findet teils keine oder nur halbherzige Unterstützung, es kam darüber hinaus während des Parteitages zum ein oder anderen Eklat, zu rassistischen Übergriffen, zu deutlichen Protesten der Basis, die von der Parteispitze mit Hilfe von Ordnern beendet wurden. Keine wirklich gute Ausgangslage für einen erfolgreichen Wahlkampf. Immerhin wurde auf den Kandidaten noch nicht geschossen – so wie vor 100 Jahren schon einmal geschehen…

Die „Bull Moose Party“

Vor genau 100 Jahren ging ebenfalls ein tiefer Riss durch die amerikanischen Konservativen. Im August des Jahres 1912 führte dieser Riss zur Gründung einer dritten politischen Partei, der „Progressive Party“. Ihr Gründer war der überaus populäre 26. Präsident der Vereinigten Staaten, Kriegsheld, Panamakanal-Erbauer und Friedensnobelpreisträger Theodore „Teddy“ Roosevelt. Er stärkte beispielsweise die Rechte der Arbeiter, beschnitt die Macht der großen Wirtschaftsunternehmen und setzte sich für den Naturschutz ein. Diese Politik wollte er in einer dritten Amtszeit fortsetzen. Auf die Frage, ob er sich stark genug fühlen würde, einen neuen Wahlkampf zu führen und um eine weitere Amtszeit als Präsident zu bestehen, soll er geantwortet haben: „I am as strong as a bull moose and you can use me to the limit.“ Und so kamen die Progressiven zu ihrem Spitznamen „Elchbullenpartei“.

Attentat auf den Elchbullen

In der amerikanischen Bevölkerung gab es jedoch längst nicht nur progressive Elch-Freunde. Das zeigte spätestens das Attentat auf Roosevelt am 14. Oktober 1912. Zwar soll der Schuss aus unmittelbarer Nähe abgefeuert worden sein, doch erlitt Roosevelt lediglich eine Fleischwunde. Grund dafür sei ein dickes Redemanuskript in seiner Jacke gewesen, das die Kugel abstoppte. Er hielt seine über 60 Minuten lange Rede, bevor er ins Krankenhaus gebracht wurde. Am Ende seiner Rede zeigte Colonel Roosevelt den Zuhörern das Manuskript mit dem Einschussloch und rief: „You see, it takes more than that to kill a Bull Moose!“

Der Teddyelch

Jeder kennt ihn: Den Steiff-Teddybären. Der Legende nach bekam der Teddybär seinen Namen durch Theodore „Teddy“ Roosevelt, der – so die Legende – 1902 auf einer Jagd in Mississippi gerne einen Bären erlegt hätte. Allerdings ließ sich nirgends ein wilder, ausgewachsener und gefährlicher Bär für den Präsidenten auftreiben. Lediglich ein Schwarzbärenjunges, das zudem noch an einem Baum fest gebunden wurde. Doch der passionierte Waidmann Roosevelt weigerte sich, dem Jungtier ein Haar zu krümmen. Diese Situation wurde von Clifford K. Berryman, einem Karikaturisten der Washington Post, in einer Zeichnung festgehalten und verbreitet. Von da an zeichnete Berryman in seinen Karikaturen oft einen niedlichen Bären an der Seite von Roosevelt, so dass das kleine Bärchen schnell zur Symbolfigur des Präsidenten wurde.

Es ist wohl kein Wunder, dass wir dessen ungeachtet der Meinung sind, der Elch wäre eine passendere Symbolfigur für Roosevelt. Dass wir damit richtig liegen, belegt nicht nur die obige Geschichtsstunde zur Bull Moose Party sondern ebenso ein Foto – vermutlich wohl eine Collage aus dem Wahlkampfjahr 1904 –, auf dem Roosevelt auf einem schwimmenden Elch reitend einen Fluss überquert. Wie bedauerlich, dass es keine Teddyelche gibt.

Übrigens: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte! Durch die politische Zerrissenheit der Konservativen (die Lager Roosevelts einerseits und William Howard Tafts andererseits) gelang dem Demokraten Thomas Woodrow Wilson der Wahlsieg und er zog als 28. Präsident ins Weiße Haus ein.

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5 Antworten zu “Historische Elche (Teil 2): Elche im US-Präsidentschaftswahlkampf

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